Die baulichen Besonderheiten
Die Kanzel an der östlichen Querseite der unteren Empore
entstand zusammen mit dem Bau der Kirche im Jahre 1718 und ist barock. Auf dem Schalldeckel sind Paulus mit dem Schwert und Petrus mit dem Schlüssel zu sehen. Ferner steht dort eine Holzfigur unbekannter Herkunft und unbekannten Alters. Sie stellt Jesus als den auf erstandenen Herrn mit der Weltkugel dar, den "Christus triumphans". Die dazugehörige Siegesfahne ist verloren gegangen. Am Kanzelkorpus sind in der Mitte der gekreuzigte Christus mit Maria und Johannes, rechts und links davon die vier Evangelisten (ohne die sonst üblichen Symbole) zu sehen.
Das hölzerne Tonnengewölbe ist mit den vier Evangelisten und dem Himmel als Hintergrund bemalt. An den Türen der unteren Empore sind auf der Südseite Bilder von den Jüngern Andreas, Petrus, Jakobus minor, Bartholomäus und Thomas mit Paulus zu sehen. Drei weitere Gestalten belegen den Bildungsstand des Malers - seine Initialen C.W.F. mit der Jahreszahl 1825 befinden sich an einer der Türen und zeigen eindrücklich, wie sehr er darauf bedacht war, mit diesen Bildern der Gemeinde die Bedeutung dieser Gestalten nahezubringen.
An der Tür zum Hansteinschen Patronatsstand findet sich aussen Martin Luther, der Übersetzer der Bibel ins Deutsche und das Vorbild für jeden Prediger; innen Hieronymus (347 - 419), der Übersetzer der Bibel in das Lateinische (Vulgata) und ihr gründlicher Kommentator; an der Tür zum Bodenaufgang schließlich, neben derm Orgel: Johannes Chrysostomus (344/54-407), der größte Prediger der Ostkirche und der Vater der noch heute dort gebräuchlichen Liturgie.

Zwei umlaufende Emporen zeigen Szenen aus dem alten Testament (oben) und dem neuen Testament (unten).
Diese Malereien entstanden um 1775 und wurden vom Wahlhäuser Laienmaler J. F. Ender (1721-1788) angefertigt.
Ein aus Eichen und Lindenholz gefertigter Epitaph aus der Renaissancezeit (nach 1604). Neben reichen Verzierungen mit Säulen, Pflanzen und Früchten zeigt es oben den auferstandenen Christus mit der Siegesfahne, darunter Gott Vater mit dem Reichsapfel als Zeichen der
Weltherrschaft. Darunter die Inschriften (aktualisiert):
Im Jahre 1604, den 10. März, ist der edle und ehrenfeste Kersten von Hanstein in Gott seelig entschlafen." (links) ,,Im Jahre 1575, am 1. August, ist die edle und tugendsame Frau Bigate von Hanstein, geborene von Bültzingslöwen in Gott seelig entschlafen." (rechts) Darunter ist ein Wasserschloß dargestellt. Wir wissen nicht, ob es dafür eine historische Vorlage gibt. Über diesem Bild wird gezeigt, wie Jesus aus dem Grab aufersteht, während seine Wächter schlafen.
Darunter hängt vor dem Wasserschloss der Gekreuzigte, den das Ehepaar von Hanstein, gekleidet in der Tracht seiner Zeit, knieend anbetet. Die vier Wappen sollen die Eltern der beiden Figuren darstellen. Darunter schlummert auf einem Kissen eine Putte. Das danebenstehende ,,Hodie mihi, cras tibi" (heute mir, morgen dir) weist auf das jederzeit mögliche Lebensende hin. Zuunterst steht: ,,Christus, der ist mein Leben, Sterben mein Gewinn" (Philipper 1,21), als Bekenntnis des Glaubens an die Auferstehung.

Hinter dem Altar stehen drei Sandstein-Epitaphe (Leichensteine) sowie einer neben dem Holzepitaph. Sie sind wesentlich älter (1604 - 1692) als die Kirche selbst. Bis zum Jahr 2002 waren die Sandstein-Epitaphe in den Aussenmauer- Längsseiten neben den Bankreihen eingemauert. Die in den nicht isolierten Sandsteinaussenmauern hochsteigende Feuchtigkeit richtete einigen Schaden an. 2002 erfolgt eine Restaurierung und Umsetzung der Sandsteinepitaphe hinter den Altar.
Der Taufstein ist etwa vierhundert Jahre alt und scheint aus der Vorgängerkirche zu stammen
Im Kirchenraum steht auf dem schlichten Altar ein Kruzifix unbekannter Herkunft. Der Altarbehang ist eine gestiftete Applikation, die das Abendmahl zeigt.
Links neben dem Altar steht eine fast lebensgroße Skulptur aus Lindenholz, die die heilige Elisabeth darstellt. Sie hält in der linken Hand auf einer Schale ein Elsässer Brötchen und Trauben. Die rechte Hand mit einer Kanne fehlt. Diese Figur ist vermutlich eine der beiden Kopien (die andere steht im Heimatmuseum Heiligenstadt), die Jakob Rotermundt 1895 nach dem im Germanischen Museum in Nürnberg stehenden Original Tilman Riemenschneiders angefertigt hat.
Das Urteil des Pilatus
In einem reich mit Blattwerk und Rosen in Gold und Weiß gehaltenem barocken Schnitzrahmen wird eine farbenprächtige Szene festgehalten. In der Mitte steht auf einem Podest unter einem Baldachin (mit einem Medaillon mit Moses und den Gesetzestafeln) der Hohepriester Kaiphas. Auf einem zweiten Podest am linken Bildrand ist ebenfalls unter einem Baldachin der römische Statthalter Pontius Pilatus sitzend dargestellt. Rechts neben ihm im Hintergrund ist seine Frau Claudia Rogalla mit einem bediensteten Mohren zu erkennen. Vorne links sitzen zwei Notare an einem Tisch. Auf diesem Tisch stehen Schüssel und Krug, die Pilatus benutzt hat, um seine Hände "in Unschuld" zu waschen. Vorne rechts sitzt Jesus auf einem Säulenstumpf, an den Händen gefesselt, mit Purpurmantel und Stab als Zeichen seines angeblichen königlichen Anspruchs. Rechts und links sind malerisch verteilt die Vertreter der geistlichen und weltlichen jüdischen Gremien mit jeweils einer Schrifttafel mit ihrem Prozeßbeitrag. Drei weitere Personen rechts und links ohne Tafel können römische oder jüdische Beamte sein. Im Hintergrund weitet sich der Blick durch zwei Fenster auf die Stadt Jerusalem mit zahlreichen repräsentativen Bauten. Im rechten Fenster erscheint eine große Volksmenge mit einem Kreuz und fordert Jesu Tod. / zu den Tafeltexten
Rechts vom Altar an der Südwand steht ein Beichtstuhl, der ebenso alt wie die Kirche ist. Bis ins19. Jh. (mancherorts auch noch später) war es in lutherischen Kirchen Bedingung, vor dem Abendmahl zur Beichte zu gehen. Die Inschrift auf der Tür (Sprüche Salomonis 28,13) weist auf die Funktion des Gehäuses hin.
Auf der westlichen Querseite steht die Orgel. In einem barock nachempfundenen Gehäuse aus dem 19. Jh. befindet sich ein Orgelwerk, das, folgt man der im Vordergehäuse vermerkten Jahreszahl, 1855 von Orgelbauer Schmerbach aus Frieda erbaut worden ist; damals sicher als einmanualiges Werk mit Schleifladen und mechanischer Traktur. 1928 erfolgte in dieses alte Orgelgehäuse der Einbau einer modernen Orgel durch den "Königlichen Hoforgelbauer" Conrad Euler, vormals Gebrüder Euler, aus Hofgeismar.
Eine Inschrift im Fensterbogen hinter der Orgel lautet:
Die neue Orgel wurde gebaut 6.-1O. November 1928
W. Jost, Wahlhausen am 24. November 1928 Orgel eingeweiht.


Pfeifenbestand: 648 klingende Pfeifen, einschließlich des Prospektmittelfelds und der beiden Seitenfelder- sowie 22 stumme Pfeifen in den kleinen Prospektzwischenfeldern.
Die Prospektpfeifen des Prinzipal 8' wurden bei der Generalinstandsetzung 1995/96 durch Zinnpfeifen ersetzt. Die Instandsetzungsarbeiten waren sehr umfangreich, weil das Werk durch Verschleiß, Witterungseinflüsse und Vandalismus sehr stark beschädigt war. Alle diese Arbeiten wurden von dem hervorragenden Orgelbaumeister Karl Brode aus Heiligenstadt ausgeführt.
In der Mitte des Tonnengewölbes ist der hebräische Gottesname Jahwe zu sehen. Er wird von einem Schriftband umgeben ,"Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Herr Zebaoth". Dieser Text stammt aus der Berufungsgeschichte des Propheten Jesaja (6,2). Dort wird auch von sechsflügeligen Engeln berichtet. Deshalb sind hier zwei davon dargestellt.
Die Kirche ist zu 2/3 unterkellert. Ein Gewölbegang verläuft quer unter der Kirche entlang und 3 einfache Holztüren führen in 3 separate Grüfte. Dort wurden bis zum Jahr 1821 die Angehörigen der Familie von Hanstein bestattet. In dieser Gruft befinden sich noch bis heute ca. 30 gut erhaltene, mumifizierte Leichen. Nach dem 2. Weltkrieg sind durch unbekannte Personen Beschädigungen und Verwüstungen angerichtet worden, welchen Ende 1990 durch die Familie von Hanstein zum Teil wieder beseitigt wurden.
Der bauliche Zustand bis 1989
Aufgrund der Reparaturbedürftigkeit des Gebäudes, vor allem an Dach, Turm und Fenstern, fand der letzte Gottesdienst bis vor der Wende im Herbst 1976 statt. Das lag in erster Linie an der politischen Entwicklung nach dem zweiten Weltkrieg und der damit verbundenen Enteignung und Vertreibung der Familie von Hanstein in den Westen Deutschlands, wonach die Eigentümerschaft der Kirche an den Staat überging.
1979 beschließt der Gemeindekirchenrat den endgültigen Auszug mit allem ihm gehörenden beweglichen Besitz.

Die beiden Glocken wurden aus dem einsturzgefährdeten Kirchturm genommen und im Pfarrgarten in ein Läutegestell gehängt. Vorher mussten sie noch in der Glockengießerei Schilling in Apolda repariert werden. Dabei wurde der Gemeinde geraten, zur Vervollständigung des Geläutes eine dritte Glocke gießen zu lassen. Die Gemeinde sammelte dafür das Geld.
Als Glockeninschrift wurde das Bibelwort gewählt:
"Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen" (Jesaja 42,3)
Der bauliche Zustand der Kirche verschlechterte sich weiterhin sehr, die ersten morschen Fenster stürzten in den Innenraum. Erst seit 1986 wurden notwendige Sanierungsmaßnahmen durch die staatliche Denkmalpflege an Turm und Fenstern durchgeführt. Dies war sehr wichtig für die Erhaltung. Das Betreten des Gebäudes war von 1979 bis 1989 den Bürgern des Ortes nicht gestattet, die Schlüsselgewalt hatte die Bürgermeisterin. Die politische Wende im Osten Deutschlands schaffte völlig andere Bedingungen, welche von uns auch genutzt wurden.
Die Grenzöffnung zwischen Wahlhausen und Bad Sooden-Allendorf am 18. November 1989 führte tausende Besucher, überwiegend aus den alten Bundesländern in unseren Ort und auf ihr Drängen hin auch in die Kirche. Der erste Eindruck war erschreckend, überall noch Baumaterial und viel Staub, doch bei fast 15 Jahren ohne Besen- und Aufräumungsarbeiten kein Wunder. Die an diesem Tag oft signalisierte Bereitschaft zur Hilfe bewog einen Wahlhäuser Bürger, am nächsten Tag einen einfach gezimmerten Holzkasten als Spendenbüchse aufzustellen. Innerhalb von 6 Stunden befanden sich 3.057,67 DM und 134,73 Ostmark darin. Das war der Beginn einer Bürgerinitiative mit erst wenigen Leuten, doch seit Juni 1990 ein eingetragener Verein mit Namen: "Erhaltung und Renovierung der Kirche" mit mittlerweile über 20 Mitgliedern. Durch ständige Führungen für Besucher, PR-Aktionen in Presse und Medien, Veranstaltungen u.a. konnte bis jetzt eine Summe von über 200.000,- € zusammengebracht werden, welche überwiegend zur Innenrenovierung verwendet wurde.
Sannierung
Im Herbst 1976 wurde der vorläufig letzte Gottesdienst in diesem Gebäude gefeiert. Wegen Veränderung des Eigentumsrechts zum Staat sowie Baufälligkeit war ab diesem Zeitpunkt das Betreten der Kirche verboten. Die erste kirchliche Handlung fand auf Wunsch des Familienverbandes von Hanstein anläßlich ihres erstmals wieder in Thüringen durchgeführten Familientages als Andacht am 23. Mai 1991 hier statt. Nach gründlicher Säuberung durch unsere Einwohner trafen sich etwa 50 Mitglieder der Familie von Hanstein und ca. eben so viele Einheimische.
Im März 1988 wurden von der Denkmalpflege der DDR die ersten Sanierungsarbeiten geplant und durchgeführt.
- August 1989 das Fachwerk am Giebel wird abgestrahlt
- die Kupferbedachung des Turmes ist fertig
- einfache Glasfenster wurden ins Hauptgebäude eingesetzt.
Durch die Denkmalpflege der DDR wurden zwischen 1986 und Oktober 1989 zur Sanierung des Turmes und Notreparatur von Dach und Fenstern ca. 190.000 DDR-Mark und im 1. Halbjahr 1990 für die notwendige Ringankerung und Aussenputz ca. 128.000 DM ausgegeben.
Durch enge Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege des Kreises Heiligenstadt und dem Land Thüringen, welche bis zur Währungsunion am 1. Juli 1990 über 400.000,- Ostmark zur Verfügung stellten und vielen eigenen Arbeitseinsätzen, konnte auch die Außensanierung bewältigt werden. Im Sommer 1991 ist die Mauer durch ABM-Kräfte des Dorfes wieder gesetzt und verfugt, der Kirchhof planiert, das Ensemble damit wieder geschlossen.
Mai 1990 Die wichtigste Maßnahme zum weiteren Erhalt der Bausubstanz war die Einbringung eines inneren Mauerringankers, wie die Risse über den Fenstern beweisen. Mit einem Spezialbohrgerät wurden alle 4 Wände in vollen Länge aufgebohrt und Gewindestangen eingesetzt, verplattet und mit Spezialzement verfüllt.
In freiwilligen Arbeitseinsätzen stemmten einige Wahlhäuser Einwohner den gesamten alten Putz ab, so dass gleich anschließend bis Ende Juni 1990 der neue Putz aufgetragen werden konnte. Gleichzeitig kam erstmals eine Dachrinne an das Gebäude.
Im Jahre 2002 wurden die Epitaphe (Leichensteine) welche früher in den Wänden eingemauert waren, freigelegt und direckt hinter dem Altar aufgestellt.
Die Wiedereröffnung
Bei der Wiedereinweihung am 27. September 1992 platzte die Kirche mit über 400 Besuchern aus allen Nähten, Landesbischof Dr. Demke aus Magdeburg verkündete die Wiederverwendung als Gotteshaus. Das Kirchengebäude wird nur von Ostern bis Weihnachten für Gottesdienste genutzt, da der Einbau einer Heizung eine große Gefahr für die reichlich vorhandene Holzmalerei bedeuten würde.