Wahlhausen im schönen Werratal /Aus der Chronik / Chronik ab 1945

GESCHICHTE VON 1945 BIS ZUR JETZIGEN ZEIT

Nach der russischen Besetzung des Ortes 1945 errichtete die Besatzungsmacht an der Straße nach Allendorf auf dem Wasefeld einen Schlagbaum, doch die Kontrollen wurden human gehandhabt. Als Stützpunkt diente den Russen zunächst das Café "Werratal", zwangsweise requiriert und dann das Wohnhaus Reccius, bis zu ihrem Abzug.

Nach Enteignung der Güter, welche den größten Teil der Flur besaßen, teilten die neuen Machthaber im Zuge der Bodenreform die Flächen und den Besitz an Kleinbauern, ehemalige Landarbeiter des Dorfes und Neubauern auf. Durch die Aufnahme einer großen Zahl von Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten stieg die Einwohnerzahl von Wahlhausen 1946 auf 476 - Wohnraum wurde knapp. Viele Alteingesessene mußten in ihren Häusern Zimmer für die neuen Mitbürger zur Verfügung stellen, die Wirtschafts- gebäude der Güter wurden sogar zu Wohnungen.

Die durchlässige Grenze weitete sich für das System in der DDR zu einem bestandsgefährdenden Problem aus, jeder wollte Westmark mit ihrer Kaufkraf.
Die neuen Machthaber erkannten, daß man ein solches System nur mit Abschottung aufrechterhalten kann, denn auch die Menschen liefen ihnen scharenweise davon. So kam am 27.05.1952 der berüchtigte Aufruf ,Zum Schutz unserer Republik".

Einige Schlagworte daraus:

 

Spione, Terroristen und Schmuggler an der Demarkationslinie ........das Ministerium für Staatssicherheit wird beauftragt unverzüglich strenge Maßnahmen für die verstärkte Bewachung zu treffen...!


Von Grenzgemeinden wie Wahlhausen wurden vorgefertigte ,,Hilfsappelle" in der Zeitung veröffentlicht. So kam "der Streifen", wie die Alten sagten und wurde mit den Jahrzehnten zum ,,Todesstreifen", wie wir ihn bis 1989 hatten.

Am 24.07.1952 gründeten 14 Betriebe im Ort, davon 12 Neubauern, die zweite LPG im Kreis Heiligenstadt mit 70 ha Nutzfläche und dem Namen ,,Wilhelm Pieck". Einige Auszüge dazu aus dem Protokoll der SED-Kreisleitung:

 

,,...parteimäßig waren in Wahlhausen bereits bessere Voraussetzungen vorhanden. Unter den Mitgliedern befinden sich je 5 Genossen der SED sowie der DBD (Bauernpartei). Insgesamt sind 13 Genossen im Dorf ansässig.
...die Bildung der LPG ist nur durch die selbstlose Unterstützung unseres großen Freundes Sowjetunion und ihres Führers Generalissimus Stalin möglich, deshalb wird der Beitritt aller Mitglieder zur DSF (Deutsch-Sowjetische-Freundschaft) vorgeschlagen....

 

Weiter wurde beschlossen, die Kampfbereitschaft und den Aufbauwillen damit zu dokumentieren, daß man täglich mit einem Kampflied zur Arbeit ausmarschiert

 

Seit 1949 befand sich eine Einheit der Grenzpolizei (der späteren Grenztruppen der DDR) im Ort. Für sie wurden vor dem Dorf zwischen Straße und Bach zwei Baracken errichtet. 1965 erfolgte ein massiver Neubau hinter dem Friedhof und der Umzug dorthin. Trotz der ,,diffizilen Aufgaben" der Soldaten herrschte überwiegend ein gutes Verhältnis zwischen ihnen und der Dorfbevölkerung.

 

Die von der DDR praktizierte kommunale Verwaltung sah in jedem Dorf, selbst unter 100 Einwohnern, einen hauptamtlichen Bürgermeister - im Grenzgebiet nur mit SED-Parteibuch - sowie eine Sachbearbeiterin vor. So gehörte zu den ständigen Aufgaben des Grenzortbürgermeisters auch die monatliche ,,Sicherheitsberatung" mit dem Kompaniechef der Grenztruppen, dem Ortspolizist und dem Parteisekretär, die Durchführung von etwa halbjährlichen Einwohnerforen mit ideologischer Berieselung und manchmal vorgedruckten, an ausgewählte Personen verteilte Fragen, Auswertung der Teilnahme und Disziplinierung von ständigen Verweigerern mit Nichterteilung von Passierscheinen für Besuche der Verwandtschaft sowie Verfassen von Stimmungsberichten und Meldung von ,,Fehlverhalten" der Bürger an kreisliche Stellen.

 

Die Dörfer in direkter Grenznähe, wie Wahlhausen, litten besonders unter der von der Partei verfolgten Politik. Unter dem Motto ,,Nahtstelle zwischen zwei Weltsystemen" zählte ein kleiner Ort nicht viel. So gab es in den 60er und 70er Jahren Bestrebungen, die ,,vorderste Linie" zu entvölkern. Nur noch zur landwirtschaftlichen Arbeit sollten die benötigten Kräfte antransportiert werden. Unter diesem Gesichtspunkt sind auch die Nichterteilungen von Zuzugsgenehmigungen bzw. langwierig erschwerte zu sehen, sowie das Verbot von Wohnungsneubauten, welches erst 1980 aufgehoben wurde. Das durchgeführte Exempel einer Dorfauslöschung ist am Beispiel von Billmuthshausen bei Hildburghausen in dem Buch ,,Das verurteilte Dorf" nachzulesen. Dort fielen die letzten Gebäude 1978. Auch wenn es uns nie bewußt war, diese Gefahr der Ausradierung hat für Wahlhausen zeitweise ebenfalls bestanden.

 

An den Geschehnissen während der Wende 1989 nahmen unsere Bürger aktiv Anteil. Bei den Montags-Demonstrationen in Heiligenstadt waren einige schon Ende Oktober vertreten und bei der nächsten am 06. November forderte ein Wahlhäuser vor etwa 25.000 Teilnehmern die Abschaffung des Grenzgebietes, unterstützt von einer Unterschriftsliste, welche 263 Bürger aus Lindewerra, Asbach und Wahlhausen abgezeichnet hatten.

 

"Morgen früh um sechs Uhr wird Wahlhausen aufgemacht "

 

An diesem bitterkalten Novembermorgen zogen tausende Menschen an den Grenzzaun auf der Wahlhäuser Seite, um diesen langersehnten -manchmal schon unmöglich scheinenden Augenblick mitzuerleben. Ehemalige Allendorfer, welche jetzt in der ganzen Bundesrepublik verstreut leben, ließen es sich nicht nehmen aus Frankfurt, Hamburg, Köln oder sonst woher anzureisen. Als die Wahlhäuser Musikkapelle ,,Höheberg-Musikanten" den Choral ,,Ich bete an die Macht der Liebe" anstimmte, löste sich bei vielen Menschen eine jahrelang angestaute Beklemmung in Tränen der Rührung. Keiner, der an diesem 18. November 1989 dabei war, wird diese Eindrücke bis ans Lebensende vergessen. Ein nicht endendwollender Menschenstrom strebte nach Wahlhausen, erstmals bestand die Möglichkeit einen Blick in die ,, Baustelle" Wahlhäuser Kirche zu werfen Das Erschrecken unserer Allendorfer Nachbarn beließ es nicht bei Worten. Unsere Bürgerinitiative, welche sich zur Erhaltung und Renovierung des Bauwerkes gebildet hatte, wurde großzügig mit Geldspenden und Beratung unterstützt. Einige traten dieser Initiative sogar bei.

 

 

Alte Freundschaften wurden frisch belebt, neue geschlossen. Viele Wahlhäuser bekamen durch diese Freundschaften bereitwillig Hilfe bei der Schaffung neuer Existenzen und bei der Arbeitsstellensuche.
Ein Freundeskreis Wahlhausen-Eichwegsiedlung hat sich gegründet und in gemeinsamer Arbeit einiges bewegt: Schaffung der parkähnlichen Gedenkstätte ,,Stätte der Begegnung" am Werraufer, große Faschingsveranstaltungen, kleine gemütliche Zusammenkünfte, Wanderungen usw. Aber der wichtigste Erfolg dieses Freundeskreises ist er Abbau geistiger Schranken zwischen Menschen in alten und neuen Bundesländern.


 

Am 6. Mai 1990 wurden, in der seit 57 Jahren ersten demokratischen Wahl, folgende Bürger in die Gemeindevertretung gewählt:

 

Günter Gastrock-Mey, Günter Seiler, Kurt Becker, Gustav Ehrenberg, Franz Elstner, Harald Scheinert
 

Am 06.Juni 1990 erfolgte von der Gemeindevertretung die Wahl von Horst Zbierski zum Bürgermeister.

 

 

 
Wahlhausen von oben.
Früher und heute!
Mit hilfe eines Lupeneffekts und zwei Luftaufnahmen (von 1945 und von 2013) zeigen Ihnen die Entwiklung des Ortes.
1. Foto 2013 -Lupe 1945
2. Foto 1945 - lupe 2013

Die Wahlhäuser Chronik
Beschreibt die Geschichtliche Entwiklung von Wahlhausen
Erhältlich bei:
Horst Zbierski
Tel.: 036087/98629
horst.zbierski@web.de
Preis: 10,00 EUR


 

Huschke von Hanstein
"Der Rennbaron"


Eine Biographie über den aus Wahlhausen stammenden und weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannten Rennfahrers.

Das Buch hat 287 Seiten mit fast 500 Bildern (s/w + farbig) und ist interessant geschrieben.Mit persönlichen Widmungen, u.a. von Michael Schumacher und Prof. Ferdinand Alexander Porsche. Es erscheint in drei Sprachen (deutsch, englisch, französisch) in einer Auflage von 40.000 Stück.

ISBN: 3829029004 

 

Besonders historisches Dokument von Wahlhausen als Neuauflage

Chronika über die, in der Gemeinde Wahlhausen vorgefallenen merkwürdigen Begebenheiten  

Ringksche Chronik
 

Entwicklung der Wahlhäuser Homepage seit 1999
Homepage von 1999 bis 2001 (auf verschiedenen Servern)
Homepage von 2001 bis 2003 (auf verschiedenen Servern)
Homepage von 2003 bis 2007
(auf planetschool.de)
Homepage von 2007 bis 2013
(Server planetschool.de)
Homepage ab Juli 2013
(Server planetschool.de,)
Homepage ab 2013


     
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
 

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